Autismus

Nik, die Hauptfigur aus meinem Jugendroman „Was Du Nicht Erwartest“ ist Autist. Für meinen heutigen Post habe ich deshalb Riley (@iluvyrsweater auf IG) ein paar Fragen zu seinem Leben mit Autismus stellen dürfen, danke für den interessanten Einblick! Das Beitragsbild hat er selbst geschossen.

Wie äußert sich der Autismus bei Dir?

Größtenteils bin ich sehr reizempfindlich, und brauche eine bestimmte Routine um mich wohl bzw. sicher zu fühlen. Ich habe oft Reizüberflutung, wenn mir etwas zu laut ist, oder zu viele Menschen auf einmal auf mich treffen zum Beispiel. Ich bin nur semi-verbal, und habe oft Phasen in denen mir das Sprechen entweder sehr schwer fällt, oder gar nicht möglich ist. Ich mag neue Situationen nicht, es macht mir Angst nicht zu wissen, was auf mich zukommt. Außerdem bin ich wirklich nicht gut darin, Mimik von Menschen zu lesen, oder ihre Emotionen zu erkennen und zu verstehen. Das Problem habe ich auch bei meinen eigenen Emotionen – ich habe oft Schwierigkeiten auszudrücken, wie es mir gerade geht, weil ich nicht die richtigen Worte dafür finde, oder meine Emotion selbst nicht verstehe.
Allerdings gibt es auch Positives. Ich habe viele Spezialinteressen, auf die ich mich stunden- oder tagelang konzentrieren kann, und die mir große Freude bringen. Ich verliere mich dann komplett in den Themen, beispielsweise Fotografie. Außerdem liebe ich mein Stimming – eine Art, meinen Körper zu regulieren und Reize besser zu verarbeiten, indem ich repetitive Bewegungen durchführe. So drücke ich auch meine Gefühle aus, bei Freude springe ich beispielsweise oft auf der Stelle oder wedel und klatsche mit den Händen.

Wann kam das erste Mal der Verdacht auf Autismus auf und wie war der Weg zur Diagnose?

Der Verdacht wurde erst sehr spät von einem Lehrer in meiner Oberstufe geäußert. Allerdings habe ich selbst den Verdacht erst einige Jahre später bekommen, als ich mich sehr intensiv mit einem Freund unterhalten habe, der ebenfalls Autist ist. Für mich war der Weg zur Diagnose glücklicherweise leicht, und ich hatte „nur“ lange Wartezeiten. Generell ist es für Erwachsene jedoch oft sehr beschwerlich, eine Anlaufstelle zu finden, die eine Autismus-Diagnostik auch bei Erwachsenen durchführt, und dann gibt es oft jahrelange Wartezeiten. Leider gibt es in Deutschland eine große Lücke, was das Angebot für erwachsene Autisten angeht.

Was hilft Dir? Was nicht?

Ich hab lange versucht, mit anzupassen, um nicht aufzufallen. Das hilft mir gar nicht mehr, denn es stresst mich nur noch mehr, und frisst Ressourcen. Ich habe meinen Weg mittlerweile gefunden, indem ich einfach versuche, so gut wie möglich einzuplanen, welche Reize mir pro Tag begegnen werden, und was ich dagegen tun kann. Ich habe Hilfen wie beispielsweise Noise-Cancelling Kopfhörer und einen Fidget-Cube, beides nutze ich eigentlich so ziemlich jeden Tag. Was mir am Anfang der Diagnose geholfen hat, war sehr geduldig mit mir selbst zu sein, auszuprobieren und mich zu nichts zu zwingen.

Was sollen alle Menschen über Autismus verstehen?

Es gibt so viele verschiedene Arten, wie sich Autismus äußert. Nicht jeder Autist ist gleich, Autismus ist ein sehr breites Spektrum. Was mir hilft, hilft anderen nicht. Genauso hat nicht jeder Autist die gleichen Symptome oder Probleme. Es ist also vollkommen okay, Fragen zu stellen und so mehr über die Person selbst rauszufinden!

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