Magersucht

Mai, die weibliche Hauptfigur aus „Was Du Nicht Erwartest“ ist magersüchtig. Zu meinem heutigen Post habe ich deshalb Maria (@rabenfeeder auf IG) ein paar Fragen zu ihren Erfahrungen mit Magersucht stellen dürfen, danke für den interessanten Einblick! Das Beitragsbild hat sie selbst gezeichnet.

Wie hat sich die Magersucht bei Dir geäußert?

Verschieden im Laufe der Zeit. Anfangs war es nur Appetitslosigkeit, aus einer Depression heraus. Der knurrende Magen hatte damals etwas Beruhigendes und Betäubendes. Dann wurde es zwanghafter. Bewegung und Kalorienzählen wurden zu meinem Tagesinhalt. Mit der Zeit wurde ich immer kreativer, was das Verschwindenlassen von Essen anging und richtig schlimm wurde es, als ich angefangen habe, mich nach dem Essen zu übergeben. Meine Familie dachte, ich hätte eine normale Mahlzeit gehabt, aber letztendlich blieb davon nichts drin. Ich wurde sehr einsam und die Anorexie meine einzige Freundin. Ich brauchte ihre sinngebende Folter, die mich durch den Tag getragen hat.

Wann fing die Krankheit an und gibt es Gründe dafür, die Du benennen kannst?

Ich war dreizehn. Mit zwölf wurde ich depressiv. Ich habe eine Zwillingsschwester und fühlte mich wie die überflüssige zweite Version. Den Wechsel auf die weiterführende Schule habe ich schlechter weggesteckt als sie. Ich hatte größere Schwierigkeiten Anschluss zu finden, vor allem, nachdem sich meine damalig beste Freundin distanziert hatte, weil ich zu den Unbeliebten zählte. Ich verglich mich viel, hatte Versagensängste, kam mit dem Mobbing nicht zurecht und verlor mit der Depression einiges an Lebenswillen. Die Anorexie war eine Möglichkeit dem Tag einen Inhalt zu geben, mich weniger einsam zu fühlen und meine Suizidgedanken in Schach zu halten. Schließlich war die Krankheit einer auf Raten.

Was hat Dir geholfen? Was nicht?

Stationäre Klinikaufenthalte mit ausschließlich Essgestörten empfand ich als wenig hilfreich. Ich hab mir Tipps geholt und mich ständig verglichen. Es gibt natürlich auch viele dumme Kommentare wie „Iss doch einfach mehr!“, die nicht förderlich sind. Im Allgemeinen hilft Druck beim Essen aufbauen nicht, sondern macht alle Parteien wahnsinnig. Geholfen haben mir rückblickend Familie, Freunde und Freundinnen, die sich in der Zeit nicht abgewandt haben, Therapeuten und Therapeutinnen, das Pflegepersonal in Kliniken, aber vor allem ich mir selbst. Ab dem Moment, an dem ich Hilfe wirklich zugelassen habe und sie annehmen wollte, war sie wirksam. Vorher hat mich die Hilfe von außen nur am Leben gehalten, aber mich nicht wirklich zurückgebracht. Den Willen gesund zu werden, kann man niemandem aufzwingen.

Was sollen alle Menschen über Magersucht verstehen?

Magersucht ist keine Modeerscheinung, keine übertriebene Diät, keine Störung, die auf Arroganz oder Schönheitsidealen basiert. Magersucht ist eine Krankheit und oft verschwinden Menschen scheinbar hinter der unnahbaren Fassade, die die Magersucht einem verpasst. Aber hinter der Störung stehen oft Menschen, die eigentlich stark sind, sich aber in der Essstörungsspirale verloren haben. Das Austricksen beim Essen, die Unnahbarkeit, viele abweisende Handlungen und andere frustrierende Dinge, die einem beim Umgang mit Magersüchtigen begegnen sind Teil der Krankheit und nicht der Person. Man sollte den Menschen dahinter unterstützen und die Krankheit, soweit es geht, außen vor lassen.

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